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Lesezeichen [ Kontakt Info QR-Code Spielplatz ]Mo 20 Febr 2017 16:27:22


 Café BilderBuch.Berlin.Pressespiegel.
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Schönes Wochenende

Mit winterfesten Sohlen und Apfelstrudel strotzt tip-Autor H. P. Daniels der Kälte und findet neben einigen Konzertbesuchen noch Zeit dafür, auf seiner eigenen Gitarre neue Saiten aufzuziehen.

Freitag, 21.11.
20:00   Ins Lido zu Mercury Rev, die 1998 mit dem schönen Album "Deserter's Song" überraschten und die im Konzert vor ein paar Jahren nach einer Mischung aus Syd-Barrett-Pink-Floyd, Ziggy-Stardust-Bowie und Strawberry-Fields-Beatles klangen. Inzwischen, heißt es, experimentieren sie mehr mit Elektronik. Mal hören, was sie jetzt so machen.
24:00   Von wegen noch ein Bier nach dem Konzert im Schöneberger Felsenkeller. Nein, ich muss nach Hause an den Schreibtisch eine Konzert-Kritik schreiben.

Samstag, 22.11.
11:00   Weil der freie Autor kein Wochenende kennt, sitze ich nach dem Frühstück wieder am Schreibtisch. Doch nicht allzu lange, denn ich brauche neue Gitarrensaiten. Deswegen fahre ich mit der U3 zum Nollendorfplatz. Bei Berlin Guitars in der Motzstraße läßt sich's zwischen einer überwältigenden Auswahl alter und neuer Gitarren angenehm plaudern mit dem Chef Leonard Lott. Welche Konzerte man hier im Gitarrenladen zuletzt am besten fand? Ich sage: Malcom Holcombe, Eric Taylor, Stacey Earle & Mark Stuart. Leonard sagt, dann müsse ich auch unbedingt am Mittwoch, den 10.12., zum Konzert der Singer/Songwriter Tom Gillam und Todd Thibaud kommen. Ich schreib's in den Kalender.
14:00   Schnell rüber zum Winterfeldtmarkt. Obst und Gemüse kaufen. Vor allem aber will ich schauen, ob der Stand mit den tollen Filz-Einlegesohlen noch da ist. Wird ja allmählich kalt.
15:00   Bummel vom Winterfeldtplatz durch die Goltz- und Akazienstraße. Hinter der Belziger Straße schaue ich kurz bei dem kleinen Buchladen ins Fenster, bevor ich ein Stück weiter im Café BilderBuch (Akazienstraße 28) einen Milchkaffee trinke. Dem exzellenten Apfelstrudel kann ich dann auch wieder mal nicht widerstehen.
17:00   Zuhause ziehe ich neue Saiten auf meine gute alte Guild F50R-Akustikgitarre und spiele ein paar Songs. Ich singe "Everybody Needs Sombody To Love" und "Cry To Me" von Solomon Burke als Einstimmung auf den Abend.
21:00   Solomon Burke im Admiralspalast. Das ist ein Konzert, auf das ich mich schon lange freue. Burke ist einer der letzten Überlebenden der großen alten Soul-Sänger der 60er-Jahre. Eine Stimme mit einer inneren Tiefe, Ausdruckskraft und einzigartiger Phrasierung, in der so viel mehr Seele liegt als in den ganzen synthetischen Plastiksounds, die man uns heutzutage als "Soul" anzudrehen versucht. Danach geht's wieder pflichtbewusst nach Hause an den Schreibtisch.

Sonntag, 23.11.
10:00   Ich kaufe Croissants und eine Zeitung, gleich um die Ecke in der Wegener Straße und schwatze ein bisschen mit dem jungen Profiboxer Ebubekir Bulut, der hier regelmäßig im Laden seines Vaters arbeitet. Sein Lauftraining hat er schon ganz früh morgens absolviert, sagt er. Wie immer. Und lacht: "Man muss immer hart trainieren und arbeiten!" Wie wahr. Nach dem Frühstück sitze ich schon wieder am Schreibtisch und arbeite. Ein Text muss noch fertig werden.
14:00   Vielleicht ein bisschen raus an die Luft? Ein Herbstspaziergang am Schlachtensee?
16:00   Aufwärmen mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa. Feierlich den guten alten Thorens-Plattenspieler anwerfen und in aller Ruhe das neue Doppelalbum von Marianne Faithfull, "Easy Come Easy Go" anhören. Warmer Klang auf schönem, schweren Vinyl. Dabei kommt man sich fast schon ein bisschen snobistisch vor.
17:30   Anschließend lese ich ein weiteres Kapitel aus Angst und Schrecken im Wahlkampf, der wahnwitzigen Reportage über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 1972 vom legendären Erfinder des "Gonzo-Journalismus" Hunter S. Thompson. Als Kontrast dann noch eine Geschichte aus Drecksbagage, dem neuen Buch von Gerhard Polt. Die allerdings muss ich laut vorlesen. Dass man auch richtig was hat vom Klang der bayerischen Sprache.
21:00   Zu Fuß gehen wir in die Straßenbahn in der Laubacher Straße, die von einem der letzten Berliner Kneipenkollektive betrieben wird und wo man gut essen kann. In all den Jahren waren wir noch nie enttäuscht vom preisgünstigen Angebot der ständig wechselnden Speisekarte - immer auch mit mindestens einem fleischlosen Gericht. Obendrein sind die Kollektivisten nett und die Biere gut.

H. P. Daniels, einst Frontmann der legendären Rock'n Roll-Band The Escalatorz, lebt in Wilmersdorf. Seit über zehn Jahren schreibt er für den "Tagesspiegel", seit über 15 für den tip.

Quelle: tip Berlin Magazin Nr. 24-08, 13.11.-26.11.2008, S. 138.

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 22.05.2016 um 15.58 Uhr aktualisiert.
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