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Lesezeichen [ Kontakt Info QR-Code Who's Who ]Do 19 Jan 2017 03:14:05


 Café BilderBuch.Berlin.Pressespiegel.
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Auf die Reise geschickt.

Der Planet wird zur Bibliothek: Bookcrossing, eine Idee aus Übersee, beginnt sich auch bei Berliner Leseratten durchzusetzen.

Von Heiner Kiesel.

Die Idee klingt simpel: Wer andere Menschen an seinen Büchern teilhaben lassen möchte, deponiert sie irgendwo in der Stadt. In der Praxis allerdings weist das Verfahren noch gewisse Mängel auf.

Jetzt schnell weg. Sonst kommt noch jemand auf die Idee, den Reiseführer "Spanien auf Nebenstraßen" nachzutragen. Unter der Siegessäule liegt er und glänzt in der Sonne. Das Buch soll ein Fremder an sich nehmen. Wenn er es aufschlägt, findet er eine Notiz, die auf die Website www.bookcrossing.com hinweist. Dort soll er die beigefügte Nummer eingeben und schließlich in einem Online-Formular eintragen, was ihm zu dem Buch einfällt. Später, wenn der Finder das Buch nicht mehr will, soll er es wieder irgendwo hinlegen für den nächsten. Der Beginn einer abenteuerlichen Reise, vielleicht um die ganze Welt. So geht BookCrossing. Der Planet wird zur Bibliothek. Überall Bücher - frei verfügbar. Eine globale Gemeinde vereint sich im Internet und übt sich im Verlieren, Jagen und Sammeln.

Den webgestützten Buchverlust entwickelte Ron Hornbaker vor zwei Jahren. Der Mitarbeiter einer US-Softwarefirma wollte mal wieder was Nettes programmieren. Etwas, das erfreut und zur Nächstenliebe anstiftet. Heraus kam bookcrossing.com. Mittlerweile machen eine Viertelmillion Menschen auf der ganzen Welt mit. Täglich kommen 400 dazu. Die Hälfte der registrierten Nutzer ist aus den USA, gefolgt von Kanada, Großbritannien und Deutschland. Hier sind es über 14 000.

Zehn Bücher aus dem Regal sind so in Berlin verschwunden, ohne Rückmeldung. Darunter ein Roman von Manuel Rivas vor dem Reichstag, ein Krimi von Jürgen Ebertowski in Kreuzberg und das Kinderbuch "Das mag Elsa Entchen gern" im geburtenstärksten Teil der Hauptstadt, Prenzlauer Berg. Ich höre noch die Kleine sagen: "Papa das ist mein Buch." Keines der Werke ein Lieblingsbuch, aber dass sie einfach so weg sind, wurmt. Das ganze Prozedere - registrieren, markieren, ablegen - hat ja auch Zeit gekostet. Die Melderate deponierter Bücher liege bei 20 Prozent, meldet bookcrossing.com. Irgendetwas muss falsch gelaufen sein. Doch warum überhaupt ein Risiko eingehen: Es gibt Cafés mit BookCrossing-Regalen, zum Beispiel das Café BilderBuch in der Schöneberger Akazienstraße 28. Irvings "Garp" wartet hier neben elf anderen Büchern darauf, in die weite Welt hinauszuziehen.

BookCrossing ist Freiheit und Abenteuer für Bücherwürmer. "Bücher in Regalen zu halten, ist Käfighaltung für Literatur", sagen BookCrosser. Bücher werden nicht liegen-, sondern "freigelassen, ausgewildert, ausgesetzt" oder "auf die Reise geschickt." Viele haben keinen Platz mehr im Regal oder Angst vor dem nächsten Umzug mit vielen Bücherkisten. Doch so kommt viel Lesestoff unter die Leute. Fast schmerzlos, denn die Titel bleiben für immer im Online-Bücherregal auf der Website.

Es sind über eine Million Bücher registriert. Unter der Rubrik Horror findet sich neben Stephen Kings "Carrie" und "Dreamcatcher" Adolf Hitlers "Mein Kampf". Recht ordentlich ist der Umlauf der Werke von L. Ron Hubbard, dem Gründer der Scientology-Sekte. Das Rote Buch Maos geistert durch Umbrien, das Grüne Buch Gaddafis wartet in Kalifornien auf einen neuen Besitzer. Fast eine halbe Million Titel sind Romane, Krimis und fantastische Literatur. Unter den zehn meistregistrierten Büchern sind gleich vier Titel von John Grisham. Die schaffen aber zusammen nur etwa so viele Einträge wie "Wild Animus" von Rich Shapero, dem Spitzenreiter des Registrier-Rankings. Dafür hat Shaperos Verlag gleich selbst gesorgt: Er schickte jedem interessierten BookCrosser eine kostenlose Ausgabe.

Internet und Buch, das rockt. Das erkennen mehr und mehr Verlage und verschenken Exemplare. Die Bücher landen bei Menschen, die sie mit missionarischem Eifer weitereichen. In Deutschland hat Goldmann als erster großer Verlag seine Vertreter 1000 Stück eines Romans verlieren lassen.

Der gute BookCrosser kauft Bücher doppelt: eins fürs Regal und eines zum Weggeben. Das legt auch die Kaufen-Rubrik bei bookcrossing.com nahe - mit Link zum Onlinestore. Bei Kauf gibt der Händler ein Scherflein ab. Das diene dazu, die Website zu unterhalten und Buchprogramme zu unterstützen, versichert Ron Hornbaker. Wenn sein Projekt weiter so schnell wächst, wird er sich vielleicht bald etwas einfallen lassen müssen, um keinen Gewinn zu machen. (www.bookcrossing.com; Tipps auf Deutsch: www.bookcrossers.de)

Quelle: Berliner Morgenpost, 13. Juni 2004.

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 22.05.2016 um 15.58 Uhr aktualisiert.
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